Gemeinschaft leben

Einzeln ein Tropfen – gemeinsam ein Fluss des Lebens

Tropfen 2

Wir sind immer in Gemeinschaft. Ob wir wollen oder nicht. Familie, Geschwister, Schule, Partnerschaft, Berufskollegen, Verein. Manche Menschen, mit wachsender Zahl, behaupten, sie würden ohne Gemeinschaft besser leben, sie bräuchten andere Menschen nicht, um ihr Leben zu meistern, um glücklich zu sein. Der Mensch als soziales Wesen ist ohne Gemeinschaft, und wenn es nur in einer Zweier-Gemeinschaft ist, verloren. Sein Leben ist gemeinschaftlich organisiert.

Reden wir also von Gemeinschaft, ist es nicht die Antwort darauf, ob oder ob nicht, sondern es ist vielmehr die Frage: WIE leben wir Gemeinschaft?

Der einstige und ursprüngliche Sinn von Gemeinschaft war recht pragmatisch. Zusammen ließen sich viele Aufgaben des Alltags und der Existenzsicherung leichter bewältigen. Arbeitsteilung war der Schlüssel. Aus dieser Einsicht entwickelte sich die Sesshaftigkeit, das Leben in Dörfern. Während einer das Brot bug, bestellten andere die Felder. Die Einen jagten und sammelten, die Anderen verarbeiteten die Ernte zu Nahrung, Kleidung und nützlichen Werkzeugen des Alltags. In diesem Kontext wahrten sie einen respektvollen Umgang miteinander, im Wissen, dass einer ohne die anderen nichts war, quasi zum Tode verurteilt war, wenn er aus der Dorfgemeinschaft ausgeschlossen wurde und alleine in der Welt umherziehen musste. Vielleicht war dieser Mensch fähig, sich allein zu ernähren und sich eine sichere Behausung zu bauen. Doch die Einsamkeit, das Sein ohne andere Menschen, ist seit jeher die größte Herausforderung für das gesellige Wesen Mensch. Nur in Verbindung mit Spiritualität ist eine solche Einsamkeit ohne größeren, seelischen Schaden zu überstehen. Kein Wunder, dass sich große spirituelle MeisterInnen in diesen Raum der Einsamkeit begeben. Denn nur dort begegnet man sich selbst und dem Göttlichen wahrhaftig. Gerade diese Berührung ist wesentlich, um sich in Gemeinschaft auf menschlicher Ebene zu begegnen, jenseits aller Rollen, die uns durch irgendein System entstehen oder angeheftet werden.

Heute ist Gemeinschaft vielmehr, als nur die pragmatische Nützlichkeit eines auf Existenzsicherung und Wohlstandsmehrung ausgerichtetes Zusammenwirken, gleich eines Insektenstaates. Dieses Prinzip basiert letztlich auf Gewalt, denn dem Einzelnen geht es fast ausschließlich um seine persönlichen, meist kurzfristigen Vorteile und Bedürfnisse. Das Ich steht über dem Wir. Allenfalls eine eigene Familie kann an dieser Grundhaltung etwas aufweichen.

Der Aufwand, den der Einzelne für seinen Wohlstand in dieser Zeit betreiben muss, ist kaum noch zu bewältigen. Was einst über Jahrzehnte funktionierte, wirft heute selten den nötigen und wünschenswerten Ertrag ab. Der Ruf nach Kooperation und Netzwerken wird lauter, weil der einzelne Mensch mit seinen alltäglichen Aufgaben und Herausforderungen schlichtweg überfordert ist. Der alte Geist erinnert sich, was einst der Grund war, sich zusammenzuschließen. Gemeinsam ist vieles leichter. Aber woher nehmen wir jetzt das Vertrauen, um zusammen wirken zu können und nicht Abhängigkeiten im Angewiesensein auf andere zu sehen?

Heutzutage überwiegt oft der Geist des Eigennutzes. Wenn Gemeinschaft und Kooperation gelingen soll, muss wieder ins Bewusstsein dringen, dass persönlicher Wohlstand und persönliche Lebensqualität aus dem Nähren der Gemeinschaft entspringen. Übernehmen alle vorrangig Verantwortung für das Gemeinwohl, dafür, dass es im Dorf an nichts mangelt, ist das Wohlergehen des Einzelnen und der Frieden untereinander gesichert. Das nannte man einst Stammes-Bewusstsein, innerhalb dessen man sein konnte wie man war. Die Unterschiedlichkeiten waren der Reichtum, denn sie machten den Stamm vielseitig in der Bewältigung alltäglicher Herausforderungen und der Verbesserung der Lebensbedingungen.

WIR verstehen Lebensgemeinschaft als Lebensraum, den wir gemeinsam und miteinander gestalten und zur Fülle bringen wollen. Dafür müssen wir uns nicht geistig gleichschalten oder alle einer bestimmten Glaubensrichtung angehören. Boden des Projektes, in dem alles Wachstum wurzelt, ist das wohlwollende und wertschätzende Miteinander, das in jeder Zelle des Projektes spürbar sein will. Das ist Permakultur.

Wir wollen menschlich miteinander sein. Mit dem Wissen, dass jeder Mensch seine eigene Wahrheit lebt, die es zu respektieren, zu achten und zu ehren gilt. Aber eben genau das ist nicht so einfach, denn es bedeutet, sich authentisch zu zeigen. Mit allem, was dazu gehört: Gefühle und Gedanken, genauso wie Ängste und Bedürfnisse. Aber wer bin ich? Lebe ich tatsächlich mein Wesens-Potenzial? Antworten finden sich im Tun und im Sein, in der Selbstreflexion innerhalb eines lebendigen, kreativen Schaffensprozesses, den der Aufbau einer WandelOase bedeutet.

Damit schließt sich der Kreis. Nur wer die Einsamkeit, die Leere, das Nichts, die seelischen Abgründe in sich selbst kennengelernt hat, kann sich in Demut und Dankbarkeit der Gemeinschaft in fruchtbringender Weise nähern, sich öffnen und der gemeinsamen Vision einer gesunden Lebensweise hingeben. Wir brauchen einander nicht zu belehren oder um die richtigen Gedanken und Gefühle streiten, denn wir sind ein Kaleidoskop, das stets das Verbindende und Essentielle finden will, um uns im Miteinander einen Traum zu verwirklichen. Gemeinsam begeben wir uns auf den Pfad in eine liebenswerte Zukunft, ohne dem Glauben, zu wissen wie diese aussieht. Die Phantasie und der Zauber der Gemeinschaft wird die Lebensbedingungen Tag für Tag derart gestalten, dass eine liebenswerte und nährende Lebensoase zu wachsen beginnt. Der Kern, von dem alles ausgeht, aus dem heraus alles wächst, ist die Einigung auf die gemeinsame Vision einer WandelOase, eines solidarischen Dorfes, einer freiwilligen Kooperation selbstbestimmter Menschen.

neugierig? WandelOase Solidarisches Dorf

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