Junge Generation: Was ist eigentlich los, mit den „Alten“?

 

Junge Generation 01


Die Welt und Gesellschaft aus der Sicht der jungen Generation.

Den jungen Menschen erscheint es so, als würde die Generation der Älteren ihre Nachkommen vergessen haben. Einem unersättlichen Konsumrausch verfallen und der Bequemlichkeit des Wohlstands erlegen, scheinen sie nicht zu realisieren, dass sich die Welt um sie herum gravierend verändert hat. Bei ihnen scheint die Zeit stehengeblieben zu sein und die ernste Lage nicht zu existieren. Wenn jemand bei der letzten Bundestagswahl und mit der neuen GroKo verloren hat, dann ist es die junge Generation, die weiter auf zeitgemäße Veränderungen warten muss.

Die junge Generation, also Menschen und Bürger dieses Landes bis zum Alter von etwa 30 Jahren, fühlt sich weder gehört noch gesehen in irgendeinem Koalitionspapier. Die Verwirklichung ihrer Zukunftsvisionen ist von der „Stagnation des Alten“ abermals vertagt worden. Es geht weiter wie gehabt. Aber nicht im Sinne der jungen Menschen. Ihre Wirklichkeit ist eine andere und für viele ältere Menschen abstrakte Zukunftsmusik. Von den tieferen Gedanken ihrer Kinder und Enkel wissen sie kaum etwas. In das Haus der Zukunft wollen sie nicht wirklich hineingehen. Obwohl es dort eine Menge kennenzulernen gäbe. Ist es die Angst vor einer Veränderung? Vor einem gesellschaftlichen Wandel?

Es mutet aus der Sicht der „Jungen“ so an, als hätten die „Alten“ gar kein Interesse an ihren Bedürfnissen, Wünschen und Gefühlen. Als würden sie jede echte Begegnung und Berührung scheuen. Wenn man seine Kinder liebt, möchte man ihnen doch eine lebenswerte Zukunft hinterlassen. Was läuft da schief?

Die jungen Menschen nehmen vor allem wahr, dass die Erwachsenen immer noch meinen, wie vor Jahr und Tag, dass sie schon genau wüssten, was für die Jungen gut ist. Wer soll das glauben, angesichts der Weltlage und der zahllosen Krisen in allen Bereichen der Gesellschaft? Ihnen wird etwas vorgesetzt, das sie kommentar- und meinungslos akzeptieren und mitmachen sollen. Sie sollen einem System dienen, an dem sich wenige, meist Ältere, bereichern. Millionen andere jedoch bleiben auf der Strecke. Selbst gut Ausgebildete, studierte Akademiker sind nicht davor gefeit, nahe am Existenzminimum leben zu müssen. Vom Reichtum des Landes profitieren nur Wenige. Der Rest müht sich über die Runden zu kommen.

Der Nachwuchs hat keine Mehrheiten im Land

Die Vorstellungen, Ideen und Lösungen, die junge Menschen bezüglich der Gestaltung der Gesellschaft haben, berücksichtigt die etablierte Politik selten, wenn überhaupt. So fühlt es die Jugend jedenfalls. Schade eigentlich. Wertvolle Inspirationen und Impulse, die der Nachwuchs parat hat, gehen dem Land verloren. Die Debatten der Politiker drehen sich zwar ständig um die Zukunft der jungen Menschen, aber sie konkret mitzugestalten ist ihnen verwehrt. Die Alten haben überhaupt nicht auf dem Schirm, mit welchen Themen und Inhalte sich junge Menschen heutzutage beschäftigen und auseinandersetzen müssen. Keine Mehrheiten im Land für den Nachwuchs. Von ihm wird lediglich verlangt, sich dem bestehenden System anzupassen, an das sie gar nicht mehr glauben können. Sie sollen sich hineinpressen, kritiklos, obwohl sie sehen, dass dieser Weg des System nicht nur in eine Sackgasse gemündet ist, sondern in einer Katastrophe zu enden droht und begonnen hat.

Für junge Menschen ist das Alte, das sich krampfhaft an der Macht hält, Sinn und Werte entleert, ohne erstrebenswerte Ziele und im Grunde nur noch Schatten seiner selbst. Man wartet fast teilnahmslos, bis sich das System ausgetobt hat. Schwer zu hoffen, dass dann noch etwas zu retten ist. Sie befürchten eher, dass die Welt im Chaos versinkt. So richtig glauben mag kaum jemand in der Generation der Nachwachsenden, dass sie das Ruder noch rumreißen können. Würde man ihnen doch jetzt mal ernsthaft zuhören. Sich ihrer Modelle einer modernen Gesellschaftsform widmen und daraus sinnvolle Perspektiven für die Zukunft entwickeln, in Zusammenwirken mit den Generationen. Das wäre sensationell. An solche Überraschungen vom Feinsten wagt aber auch niemand mehr zu glauben. Viel zu sehr weigern sich die „Alten“, zuzugeben, dass sie eigentlich mit ihrer Weisheit am Ende sind.

Es braucht die Impulse der Jugend. Ohne sie vergreist und erstickt eine Gesellschaft. Das lernen sie jedenfalls in der Schule, dass sich so das Ende einer Kultur ankündigte. Aber sie haben zu schweigen und zu glauben, dass alles gut ist. Ein 24-Jähriger sagte zu mir:

„In der Schule lernen wir schnell, dass es besser ist, keine eigene Meinung zu haben und Gefühle nicht zu zeigen. Unterordnen und unauffällig sein ist das Beste. Übrig bleibt die Angst vor Nähe und Zärtlichkeit. Was soll aus solchen Menschen werden? Haben sie nichts anderes zu sein, als funktionierende Rädchen im System, Maschinen, die das hochgepriesene Wachstum produzieren? Das bringt ein Land nicht wirklich weiter.“

Wir sind die Generation der Pessimisten“

Junge Menschen sind aufgeklärter, als man gemeinhin in der Riege der „Alten“ glaubt. Sie lassen sich nichts mehr vormachen und wissen ganz genau, was abgeht und sind sämtlicher Illusionen über den Kapitalismus beraubt. Sie schauen dem Showdown schließlich jeden Tag zu und denken längst darüber nach, was danach kommt. Und ob es überhaupt weitergeht mit allem. Daran glauben die wenigsten unter ihnen. Um es mal mit ihren Worten auszudrücken:

„Ach, Zukunft. Hat doch alles keinen Sinn mehr. Wir haben aufgegeben und fiebern dem erlösenden „Armageddon“ entgegen!“

Eine andere Stimme sagt:

Mit uns redet doch niemand. Niemand will uns zuhören Keiner will sich mehr wirklich auf ein System einlassen, das im Begriff ist unterzugehen.

Selbst Kinder in der Pubertät lassen sich nur schwer etwas vormachen wie es um diese Welt bestellt ist. Während die Erwachsenen nicht zu diskutieren aufhören und sich im Geplänkel von Parteienideologien verstricken, haben bei ihnen alle Zweifel aufgehört zu existieren, dass sich die Welt bereits mitten in einem Armageddon befindet. Kriege, Flüchtlingsströme, Klimawandel, Umweltzerstörungen, vergiftete Nahrungsmittel, in Plastik erstickende Meere, usw. Die Liste der Missstände ist schier endlos.

Es ist fast erschütternd, wenn man mit jungen Menschen in den Zwanzigern spricht, wie resigniert sie sind.

„Wir sind die Generation der Pessimisten“,

hörte ich von einem. Als ich fragte wie er das meint, kam eine unmissverständliche Antwort:

„An was sollen wir noch glauben? Unsere Eltern haben uns gezeigt, dass Liebe nicht beständig ist und Ehen nicht halten. Unsere Gefühle behalten wir für uns und Nähe ist uns suspekt. Wir fragen uns in solchen Momenten, was dieser Mensch, der unsere Nähe sucht, von uns, von mir will. Was sollen wir noch glauben? Die Konzepte unserer Eltern sind gescheitert. Weder Karriere durch Bildung noch die sichere Rente sind uns garantiert. Alles ist Illusion geworden.“

Sie erleben eine verlogene Gesellschaft, die ihnen eine kaputte und herzlose Welt hinterlässt. An was sollen sie noch glauben, wem noch vertrauen?

Der jungen Generation zuhören

Aber es gibt auch welche, die lassen sich davon nicht entmutigen und ihrer Träume berauben. Es gibt welche und nicht wenige, die schöpfen Hoffnung in pragmatischen Visionen und experimentieren eifrig und engagiert alternative Lebensweisen. Sie interessiert wie sie geldfrei leben können, wie sie die wenigen Dinge, die sie in minimalistischen Lebensstilen und tiny houses brauchen, reparieren und wiederverwenden, wie sie wenig Abfall hinterlassen und so viel wie möglich selbst machen können. Sie wollen lernen, gestalten, mitbestimmen und bringen Wertschätzung, Toleranz und Empathie mit. Ihnen ist die Sache wichtiger, als Egotrips und Hierarchiegehabe. Auf Augenhöhe und im Kreis von Konsens wollen sie sein. Wert- und kraftvolles Potential schlummert in den jungen Menschen. Ihre Gedanken sind klar, zielführend und strukturiert. In Gesprächen und komplexen Sachverhalten kommen sie schnell auf den Punkt und dringen ohne Umwege zum Kern und Wesentlichen vor. Einfach beeindruckend und beflügelt nicht selten den verkrusteten Geist.

„Wir müssen eine für uns lebenswerte Welt neu erfinden, unbekannte Wege gehen, Nischen in dieser Gesellschaft finden, um anders leben zu können, nämlich so wie wir das für richtig halten. Würde es irgendwo ein Lichtblick geben, würde alles in uns aufblühen, hätten wir wieder Lust auf das Leben. Was wir brauchen ist ein Plan.“

Also: Hören wir ihnen zu, schaffen wir ihnen Raum und unterstützen sie mit unseren Erfahrungen und Erkenntnissen wohlwollend in ihren zukunftsweisenden Projekten! Dann könnten wir tatsächlich noch etwas schaffen, alle zusammen, für dieses Land und die Welt überhaupt.

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