Pilze – Meister der Renaturierung & Entsorgung

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Pilze sind weder Pflanze noch Tier, sondern bilden eine eigene Gattung. Sie gehen ohne Beine und fressen ohne Mund. In ihrer ganzen Dimension werden diese Wesen gerade erst so richtig entdeckt. Pilzsporen lassen sich vom Wind und der Atmosphäre über große Distanzen transportieren. Manche meinen sogar, Pilzsporen leben selbst im Weltraum und spielen bei der Besiedlung von Planeten eine nicht unwesentliche Rolle. Pilzkörper, die sogenannten Myzele, können gigantische Größen annehmen, welche die Größe von Bäumen übersteigt.

Jeder kennt sie, die weißen, dünnen Fäden in der Erde. Man nennt sie Saprophyten (Fäulnisbewohner), Pilze, die Biomasse zersetzen und dadurch chemische Grundbausteine an die Umwelt abgeben. Nebst ihrem biologischen Nutzen sind sie die Datenautobahnen der Natur, die Netzwerker, das Nervensystem des Erdbodens. Auf einem Hektar gesundem Land können viele Tonnen an Pilzmasse leben. Sie sind neben Bakterien, Würmer, Asseln, Insekten maßgeblich an der Humusbildung beteiligt, also an der Produktion fruchtbaren Bodens.

Pilze zersetzen und verwandeln für viele Lebewesen aus Flora und Fauna Biomasse in Nährstoffe. Sie regen die Wurzelbildung von Pflanzen an, oftmals im Tausch gegen Wasser und Zucker. Dieses Wissen wird bereits bei dem ehrgeizigen Projekt der «Grande Muraille Verte», Große Grüne Mauer angewendet. Vom Senegal bis Djibouti soll ein Aufforstungsprogramm die Ausbreitung der Wüste stoppen. (Grande Muraille Verte). Dabei wird karges Gebiet durch die Impfung von Pflanzen mit Glomus-Pilzkulturen, die selbst in trockenem Sand überleben, begrünt.

Hefe, Blauschimmel und Penicillin sind Pilze, die einen festen Platz in unserer Kultur eingenommen haben. Aber es gibt im Reich der Pilze noch viele nützliche Fähigkeiten zu entdecken. Pilze sind Meister der Entsorgung. Wir sollten sie gezielt und vermehrt in der Landwirtschaft und vor allem auch in der Abfallwirtschaft einsetzen. Pilze zersetzen und verwandeln für viele Lebewesen aus Flora und Fauna Biomasse in Nährstoffe. Sie regen die Wurzelbildung von Pflanzen an, oftmals im Tausch gegen Wasser und Zucker.

Manche Pilzkulturen zersetzen Plastik und könnten damit eine bedeutsame Rolle im Naturschutz einnehmen. Verunreinigte Böden lassen sich mit bestimmten Pilzkulturen sanieren, denn diese ernähren sich von Kohlenwasserstoffen, die unter anderem in Erdöl und erdölbasierten Stoffen vorkommen. Alte Industriebrachen und verlassene Industriegebiete, wo die Konzentration von schädlichen Rückständen meist höher ist als bei einer Ölpest, lassen so entseuchen. Pilzkulturen sind aufgrund ihrer chitinartigen Zellwände und ihres niedrigen Salzgehaltes besonders widerstandsfähig. Sie trotzen Hitze und Kälte und können sich selbst in lebensfeindlichem Erdreich oft hervorragend behaupten.
aus: Handbuch für Solidarische Dörfer (erscheint im Frühjahr 2018)
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